
Darmstädter Echo 14.1.2012
Darmstädter Echo 7.10.2011
Darmstädter Echo 14.1.2012
Tage der Fotografie – Jury des Festivals gibt Vorauswahl für den Merck-Preis bekannt
DARMSTADT. Walter Ebenhofer, Nathalie Grenzhäuser und der Darmstädter Florian Schunck haben Chancen auf den Merck-Preis, der zu den Darmstädter Tagen der Fotografie im Frühjahr vergeben wird. Die Jury wählte sie aus rund 280 Bewerbern für die Auszeichnung des Festivals, das in diesem Jahr dem Motto »Bildspuren – Unruhige Gegenwarten« folgt. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert und wird zum vierten Mal vergeben.
»Bei der Themenvorgabe ›Unruhige Gegenwarten‹ könnte man zunächst nur an dokumentarische Fotografie denken. Doch das Motto hat dem Festival einen roten Faden gegeben, der die Kreativität der Künstler aber nicht eingeschränkt hat«, sagt Daniela Lewin, bei Merck für Kunst- und Kultursponsoring zuständig.
Wer den Merck-Preis in diesem Jahr erhält, entscheidet die Jury anhand der Hängung der Bilder, dem letzten Bewertungskriterium für die Preisvergabe am 20. April im Museum Künstlerkolonie.
Nominiert sind drei Fotokünstler, denen es nach Ansicht der Jury »ganz besonders gelungen ist, sich mit den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in einer immer komplexer werdenden Welt fotografisch-künstlerisch auseinanderzusetzen«. So präsentiere der österreichische Fotograf Walter Ebenhofer durch Pistolenschüsse produzierte Bilder und erzeuge damit eine »diabolische Erinnerung« an den amerikanischen Kriegsfotografen Robert Capa, heißt es in der Pressemitteilung.
Die in Berlin und Frankfurt am Main lebende Fotografin Nathalie Grenzhäuser zeige in ihrem Bilderzyklus »Die Konstruktion der stillen Welt« Ansichten der Inselgruppe Spitzbergen, deren Landschaften zunehmend durch den Klimawandel sowie die industrielle und wissenschaftliche Nutzung bedroht werden. Und der Darmstädter Fotograf Florian Schunck hat Sperrmüll und Alltagsgegenstände so zusammengestellt, dass deren Schatten wie die Umrisse von Heiligenfiguren wirken.
Vom 20. bis 22. April bieten die Tage der Fotografie eine Ausstellung im Designhaus auf der Mathildenhöhe, ein Symposium sowie weitere Ausstellungen und Veranstaltungen.
job
Darmstädter Echo 7.10.2011
Tage der Fotografie: Ende April 2012 ist an 13 Orten wieder drei Tage lang Festival
DARMSTADT. Die Bewerbungsfrist läuft. Noch bis 11. November können Fotografen ihre Arbeiten für die siebten Darmstädter Tage der Fotografie im Frühjahr einreichen, denn nach einem »Sabbatical«, einem Erholungsjahr für die rührigen Veranstalter vom Verein Darmstädter Tage der Fotografie, wird das Wochenend-Ereignis 2012 wiederkehren: drei Tage Fotokunst satt an zwölf verschiedenen Ausstellungsorten. Vom 20. bis 22. April geht es dabei thematisch um Bildspuren – Unruhige Gegenwarten.
Neben den Präsentationen werden ein ganztägiges Fachsymposium und Künstlergespräche vor Ort angeboten.»Die Konzentration auf wenige Tage und die Dichte der Präsentation haben sich bewährt«, sagt Albrecht Haag. Zusammen mit Alexandra Lechner, Gregor Schuster und Rüdiger Dunker zeichnet er verantwortlich für den Veranstaltungsreigen. Die vier Organisatoren vom Verein der Tage der Fotografie wollen Fotos zeigen, die sich mit fragilen Lebenswelten im Wandel von Globalisierung und Vernetzung auseinandersetzen. »Krisen spiegeln sich in der Fotografie, und wir wollen sozusagen erlauschen, wie die Kunst das darstellt, aber auch, welche positiven Visionen diese zu bieten hat«, sagt Alexandra Lechner.
In der nächsten Woche geht es los mit der Arbeit an den vielen Bildern: Die erprobte Jury – neben den Organisatoren vom Verein sind dies Ute Noll und Kris Scholz, Professor am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt – trifft sich zur Auswahl jener zehn Fotografen, deren Arbeiten in der Hauptausstellung im Designhaus auf der Mathildenhöhe gezeigt werden sollen.
»Der eine oder andere dort ist bereits etablierter als die Fotografen an den anderen Ausstellungsorten es sind. Doch das ist keine Aussage über die Qualität der anderen Bilder«, sagen Lechner und Haag. Seit den ersten Tagen der Fotografie im Jahr 2004 bekommen auch rund 35 Nachwuchskünstler ihre Chance. Die Juroren wählen deren Bilder aus geschätzten 500 Bewerbungen aus, und sie werden an einem der anderen elf Ausstellungsorte gezeigt: Ihre Exponate sind unter anderem im Museum Künstlerkolonie, in der Kunsthalle, im Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt oder im Literaturhaus zu sehen. Neu im Reigen ist dabei das Foyer des Staatstheaters.
Bei diesem Festival wird zum vierten Mal der mit 5 000 Euro dotierte Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie verliehen, der von den Teilnehmern künstlerische Qualität bis hin zur eigenhändigen Hängung ihrer Bilder in den Ateliers des Museums Künstlerkolonie verlangt. Für die Jury bedeutet der Weg zum Preis einigen Aufwand: Sie trifft zunächst eine Vorauswahl von etwa 30 Bewerbern, benennt dann drei Kandidaten. Gewählt und ausgezeichnet wird der Sieger des Wettbewerbs aber erst am Eröffnungsabend.
Die Darmstädter Tage der Fotografie werden in der Fotografen-Fachwelt und im Ausstellungsbetrieb längst ebenso beachtet wie bei den Sponsoren und den Kulturpolitikern der Stadt Darmstadt, die den Tagen der Fotografie außer einer finanziellen Unterstützung auch über die Stadtgrenzen hinaus »Türen öffnen«, wie Albrecht Haag sagt. Die Veranstalter öffnen im kommenden Jahr aber auch selbst erstmals die Stadttore Richtung Frankfurt: Die Darmstädter Tage der Fotografie werden Teil von Ray 2012. Diese Veranstaltungsreihe gehört zu der neu gegründeten Fotografieprojekte Frankfurt/Rhein-Main – einer Kooperation verschiedener Kulturinstitutionen, die sich auf Initiative des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main gebildet hat und von diesem auch finanziell unterstützt wird.
Bislang gehören neben den Darmstädtern renommierte Frankfurter Kulturinstitutionen dazu: Das Museum für Moderne Kunst (MMK), das Städel, das Fotografie-Forum, der Kunstverein sowie die Kunstsammlungen der Deutsche Börse und der DZ Bank organisieren 2012 unter anderem eine über mehrere Standorte verteilte Ausstellung in Frankfurt. »Wir haben das Glück, das wir einen Tag nach den Frankfurtern beginnen. Das bringt sicher zusätzliche Besucher«, sagt Haag.
»Die Initiative des Kulturfonds hat dazu geführt, dass wir mit den Frankfurter Institutionen sozusagen auf kurzem Dienstweg reden können«, ergänzt Alexandra Lechner. Wobei die Tage der Fotografie jedoch nicht im Verbund aufgehen wollen wie der frühere Darmstädter Architektursommer im Architektursommer Rhein-Main, der in diesem Jahr erstmals Veranstaltungen in Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Wiesbaden unter einem organisatorischen Dach vereinte. »Es funktioniert nur über die lokale Bindung«, sagt Albrecht Haag.
Annette Krämer-Alig