Querdenker – Vom Kopf an die Wand
Presse zur Veranstaltung 2008

Presse zum Thema 2008: Links zu den Artikeln

Zu den Bildern kommt Begegnung

Darmstädter Echo 22.04.2008

Zu den Bildern kommt Begegnung

Darmstädter Echo 22.04.2008

Charakterköpfe hinter der Linse

Frankfurter Allgemeine Zeitung 16.04.2008

Die Querdenker gehen an den Start

Darmstädter Echo 16.04.2008

Querdenker eröffnen neue Bildwelten

Rhein Main Presse, Allgemeine Zeitung 16.04.2008

Gesucht: Hingabe an eine Geschichte

Darmstädter Echo 04.04.2008

Preisverdächtige Bilder

Frankfurter Rundschau 25.01.2008

Merck stiftet neuen Preis: 5000 Euro für das beste Bild

Darmstädter Echo 25.01.2008

Presse zum Thema 2008: Die Artikel

Zu den Bildern kommt Begegnung

Darmstädter Echo 22.04.2008

Fotografie-Tage: Schon die Auftaktveranstaltung im Darmstädter Designhaus ist noch voller als in den Vorjahren

DARMSTADT. Querdenker gesucht – Vom Kopf an die Wand: Für die vierte Auflage der drei Darmstädter Tage der Fotografie, die am Sonntag zu Ende gegangen sind, haben die Veranstalter Arbeiten von Fotografen ausgewählt, die sich »quer zum allgemeinen Konsens aus Bildern, Dogmen und anderen Alltagsgewohnheiten bewegen«. Das ist heute fix gemacht, wie man meinen sollte: Im Zeitalter der Digitalfotografie wird's der Chip schon richten. Wie viel Arbeit man sich als Fotograf dennoch auch heute noch machen kann, das zeigen beim Besuch der verschiedenen Ausstellungsorte beispielsweise die Arbeiten von Frank Kunert im Obergeschoss der Centralstation. Der Fotokünstler hat seine Verkehrte Welt in mühsamer Kleinarbeit als Modell gebaut, eine schrullige Idylle aus quasi-authentischen Stadtansichten. Aus der Ferne betrachtet wirkt das wie ein nüchterner Blick auf banale Straßenszenen. Bis man anfängt zu stutzen: hier eine Kinderrutschbahn, die gefährlich ins Leere führt, dort ein Sprungturm in einem Becken ohne Wasser – es sind Bilder einer brüchigen Realität.

Das Procedere der Foto-Tage ist aus vergangenen Jahren vertraut. Vor den Museumsbauten auf der Mathildenhöhe stehen am Freitag abend wieder die schwarzen Limousinen der tschechischen Automarke, die ein Sponsor ist, die Auftaktveranstaltung ist wieder im Designzentrum am Eugen-Bracht-Weg, auch das Büfett ist da. Aber es ist noch voller in dieser zentralen Ausstellung der Tage der Fotografie als in den Vorjahren, und wenn Albrecht Haag und Alexandra Lechner als Initiatoren des Festivals Teilnehmer und Besucher begrüßen, fasst der Saal längst nicht alle der Anwesenden. In den umliegenden Ausstellungsräumen oder im Garten der Villa suchen deshalb viele, was die Fototage auch initiieren wollen: Begegnung und Austausch.

Gezeigt werden an drei Tagen und an mehr als einem Dutzend Orten Arbeiten von 37 Fotografen, die in der Vorbereitung aus 280 Einsendern ausgewählt wurden. Erstmals seit Bestehen der Fototage wurde dazu ein Preis ausgelobt, den die Firma Merck mit 5000 Euro dotiert hat – wir haben berichtet. Drei Fotokünstler waren hier in die engere Wahl der sechsköpfigen Jury gekommen, gewonnen hat Bernadette Wolbring, die am Eröffnungsabend im Museum Künstlerkolonie ausgezeichnet wird. Dort hängen auch die Bilder der drei Favoriten.

Querdenker waren gesucht – solche wie Miroslav Tichy. Den hochbetagten Maler und Fotokünstler stellt Adi Hoesle in einem Vortrag des Symposiums am Samstag vor. »Der Fehler«, so sieht es der Eigenbrötler aus der Kleinstadt Kyjov in Mähren, »was Poesie ausmacht, ist der Fehler. Der Fehler gibt dem Foto die malerische Qualität. Und dafür brauchst du eine schlechte Kamera!« Tichy hat seine Schwarzweiß-Bilder mit dubiosen, selbstgebauten Kameras aufgenommen. Dagegen sind die Lichtbilder, die bei diesen Fototagen sonst zu sehen sind, in der Regel farbig und mit Hightech-Kameras aufgenommen: Mag sein, dass es deshalb schwer ist, Tichys Eindringlichkeit und Poesie zu erreichen, dass man aber auch mit der modernen Technik souverän spielen kann, zeigt der Beinahe-Merck-Preisträger Chris Jordan im Museum Künstlerkolonie. Der Fotograf aus Seattle übersetzt Motive in filigrane Großformate: hier ein Gemälde aus aberhunderten Jetstreams, dort – das sieht man erst beim Nähertreten – eine Collage aus entsorgten Handys. Entschieden aber haben sich die Juroren für den stimmigsten und ruhigsten Beitrag. In der Fotoserie der Stuttgarterin Bernadette Wolbring reichen sich Fotografie und Malerei die Hand, sensibel und eigen begibt sie sich auf die Suche nach Licht und Atmosphäre. Viele der Künstler versuchen sich an inszenierten Bildern, die in ihrer Künstlichkeit viel über die grelle Ästhetik unsere Tage aussagen. Janne Lehtinens skurrile »Engel« etwa oder auch Martin Klimas, der mit brillianter Technik splitternde Porzellanfiguren im Bild festhält.

Viele der Fotografen erzählen auch Geschichten: Zu den gelungensten unter den vielen quasidokumentarischen Alltagsaufnahmen gehört die Serie von Maziar Moradi der 1975 in Teheran geboren wurde und den Weg seiner Familie im deutschen Exil mit Fotos nachvollziehbar macht.

Wie schon in den Vorjahren werden im Foyer der Hochschule für Gestaltung Arbeiten von Studenten der Darmstädter Fotoklasse von Professor Kris Scholz und der Düsseldorfer Fachhochschulklasse von Professor Gerhard Vormwald gezeigt. Das Foyer ist ein zentraler Ort der Fototage, hier trifft und verabredet man sich, bevor es zu den nächsten Ausstellungen in die Kunsthalle geht, zum Atelierhaus Vahle oder zur Lounge im 603qm. Die Aula der Hochschule bietet auch den Rahmen für das Symposium am Samstag. Man referiert und diskutiert mit durchaus fachfremdem Personal: Christopher Dell etwa, der gemeinsam mit Jürgen Wuchner und Uli Partheil am Freitag noch für jazzige Klänge gesorgt hat, spricht jetzt übers Improvisieren. Aber natürlich sind unter den Referenten dieses Symposiums auch Fotografen wie Wolfgang Müller, der seine China-Bilder im Designhaus ausstellt, oder der Darmstäder Lukas Einsele, der dort seine Arbeiten über die Opfer von Landminen präsentiert.

Gerd Döring

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Charakterköpfe hinter der Linse

Frankfurter Allgemeine Zeitung 16.04.2008

Die vierten Darmstädter Tage der Fotografie mit 49 »Querdenkern« an 16 Orten

h.r. DARMSTADT. Querdenker, das kann man der Definition von Albrecht Haag und Alexandra Lechner entnehmen, sind immer auch Charakterköpfe. Menschen, die nicht gleich an Geld und Nutzen denken. Die Zeit investieren und Risiken eingehen. Wie der Darmstädter Lukas Einsele zum Beispiel, der über Jahre hinweg in Afghanistan und anderen Ländern Opfer von Landminen fotografiert hat. Oder der Berliner Wolfgang Müller, der in Peking fotografisch Leben und Widerstand einer chinesischen Familie gegen den von Behörden angeordneten Abriss ihrer Wohnung dokumentierte.

49 Menschen dieses Zuschnitts, die einer Sache gerne auf den Grund gehen und dabei den bekannten Blickwinkel verlassen, können Besucher der 4. Darmstädter Tage der Fotografie am Wochenende (18. bis 20. April) begegnen – mindestens in Gestalt der von ihnen ausgestellten Arbeiten, sehr wahrscheinlich aber auch persönlich, da die meisten der aus 280 Einsendungen ausgewählten oder eingeladenen Künstler anwesend sein werden. Die Tage der Fotografie, die unter dem Titel Querdenker – Vom Kopf an die Wand stehen, sind eine auf drei Tage komprimierte Schau, die sich auf 16 Orte verteilt: vom Deutschen Polen-Institut über die Centralstation bis zum Offenen Haus der evangelischen Kirche.

Eröffnet wird die Hauptausstellung am Freitag um 18h im Designhaus auf der Mathildenhöhe. Dort sind Beiträge von zwölf ausgewählten Fotokünstlern zu sehen, darunter Einsele, Müller oder Philippe Ramette, der eigentlich sich der Bildhauerei verschrieben hat, aber ähnlich surreale Bilder gestaltet wie der Finne Janne Lehtinen, der mit seinen Arbeiten den Traum des Fliegens weiterträumt, den sein Vater als bekannter Pilot Finnlands lebte. Am gleichen Abend wird um 19:30h im Museum Künstlerkolonie der erstmals ausgeschriebene Merck-Preis vergeben. Nominiert sind der Amerikaner Chris Jordan, der Statistiken im Fotos umsetzt, Carsten Klein, dessen symbolträchtige Bilder den Seelenzustand Heranwachsender widerspiegeln, und Bernadette Wolbring, die die Werke großer Meister der Malerei reduziert auf die Lichtwirkung des um die Figuren und Gegenstände entleerten Raums.

Am Wochenende haben sämtliche Ausstellungsorte von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Am Samstag findet ein Symposium statt, das sich mit dem Motto der Fotografie-Tage beschäftigt. Sieben Künstler, Musiker und Wissenschaftler diskutieren von 9.30 Uhr an am Fachbereich der Hochschule Darmstadt, darunter auch Müller und Einsele.

Hinter den Tagen der Fotografie steht ein Förderverein aus Fotografen und Gestaltern, die über ihre tägliche Arbeit hinaus das Kulturleben Darmstadts bereichern wollen. Außerdem dient die konzentrierte Schau der Kommunikation in der Szene. Darauf ist ein Teil des Rahmenprogramms abgestimmt – zum Beispiel mit dem Late-Night-Konzert am Freitag mit Christopher Dell in der Centralstation und einer Lounge in der Kulturhalle 603qm am Samstag um 18 Uhr.

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Die Querdenker gehen an den Start

Darmstädter Echo 16.04.2008

Drei Tage Ausstellungen, Symposium und auch Jazz – Zwölf arrivierte Künstler zeigen ihre Werke

Bild: The Peter Pan and Tinkerbell

JAN VAN HOLLEBENS Bild The Peter Pan and Tinkerbell (Peter Pan und die Fee Naseweis) gehört zur Serie Dreams of Flying (Träume vom Fliegen), die im Rahmen der Darmstädter Tage der Fotografie am Wochenende im Designhaus auf der Mathildenhöhe gezeigt wird. Holleben ist einer von zwölf Künstlern, deren Arbeiten in dieser großen Hauptausstellung der Fotografie-Tage zu sehen sind. (Foto: Jan von Holleben)

DARMSTADT. Der Preis ist heiß. »Um drei Uhr am Freitagnachmittag steigt der weiße Rauch auf«, sagt Albrecht Haag vom Verein der Darmstädter Tage der Fotografie in Anspielung auf das Zeremoniell der immer schwierigen Papst-Wahl.

Denn erst zur Eröffnung der Fototage wird die Jury entscheiden und bekannt geben, wer der drei Künstler, die im Vorentscheid ausgewählt wurden, den erstmals vergebenen Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie erhält. Ist es Chris Jordan aus Seattle in den USA, Carsten Klein aus Essen oder Bernadette Wolbring aus Stuttgart, der die Ehre, eine Siegertrophäe und vor allem auch die dazugehörigen 5000 Euro erhält?

Zwölf arrivierte Künstler zeigen ihre Werke. Querdenker – Vom Kopf an die Wand ist das Thema dieser vierten Tage der Fotografie. Eröffnet wird um 18 Uhr im Designhaus auf der Mathildenhöhe: Dort zeigt man in der Hauptausstellung Bildfolgen von zwölf zeitgenössischen Fotokünstlern aus mehreren Ländern. Es sind arrivierte Künstler, die Albrecht Haag, Alexandra Lechner, Gregor Schuster und Rüdiger Dunker vom veranstaltenden Verein der Darmstädter Tage der Fotografie sowie die externen Juroren Ute Noll (Fotografin) und Kris Scholz vom Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt hier ausgewählt haben.

Im Museum Künstlerkolonie, wohin man nach der Eröffnung weiterziehen will, folgt anschließend die Verleihung des Merck-Preises: Die Bilder der drei Kandidaten werden dort gezeigt. Schon jetzt fällt den Juroren der Gedanke an die Entscheidung schwer. »Wir müssen hart sein«, flachst Albrecht Haag. Doch weil dem so ist, hat man sich um Trostpreise für die beiden anderen Bewerber bemüht. Während des Termins mit dem ECHO kommt ein Paket ins Haus. Darin befinden sich zwei Kataloge, die das Werk des Wiener Bildhauers und Fotokünstlers Erwin Wurm dokumentieren – handsigniert von dem bekannten Mann, was die Geschenke zum Kultobjekt fürs Bücherregal der Beschenkten machen kann.

Foto der Medaille

DIE MERCK-MEDAILLE der Fototage: Den Preis vergibt das Chemieunternehmen zusammen mit 5000 Euro. Die Stahl-Plastik zeigt das Logo der Veranstaltung. (Foto: DTDF)

Auf dem Tisch des Ausstellungsbüro an der Kittlerstraße liegt am Dienstag auch die Plastik für den Sieger: Sie ist aus schwerem Stahl, und wie vieles bei diesen bislang immer exzellent organisierten Fototagen ein Stück weit Eigeninitiative der Macher: »Alles Handarbeit«, sagt Haag über die Bearbeitung des Metalls, das nun eine schöne Patina hat.

Alles Handarbeit: Das lässt sich über die Vorbereitungen dieser Veranstaltungen fast immer sagen. Alles läuft auf Hochtouren in dem ehemaligen Laden an der Ecke der Kittlerstraße im Martinsviertel, die für den größten Teil des Jahres das Studio der hauptberuflichen Fotografen Albrecht Haag und Alexandra Lechner ist.

An den Wänden stehen Kisten mit großformatigen Ausstellungsstücken: »Die ersten Transporte kamen vergangene Woche, wobei einer Bilder von Paris und Belgien über Düsseldorf nach Darmstadt gebracht hat«, erklärt Lechner.

Morgen ist die Schau im Designhaus dran, schon heute will man die Arbeiten im Museum Künstlerkolonie an die Wand bringen. Wobei die Preis-Arbeiten im Museum Künstlerkolonie nur ein sehr kleiner Teil des großen Rahmenprogramms sind.

An elf weiteren Orten in der Stadt sind Werkserien mit maximal zehn Motiven von insgesamt 37 Fotografen zu sehen, deren ›Querdenker‹ die Jury überzeugen konnten: beispielsweise im Deutschen Polen-Institut, in der Kunsthalle, im Kunstarchiv, im Staatsarchiv, im Evangelischen Forum (›Offenes Haus‹) und in den Galerien von Maria Kohl und Christiane Klein.

Neuer Ausstellungs- und Veranstaltungsort ist der kleine Saal der Centralstation. In einer Präsentation des Fachbereichs Gestaltung an der Hochschule Darmstadt zeigt man Arbeiten von Studenten.

Auch diese vielen Bilder sind freilich wie in den Vorjahren nur ein weitere Teil im Programm der Fototage. »Sehen – hören – quatschen«, benennen Lechner und Haag ihr Anliegen. Zuhören kann man deshalb nicht nur im Late Night Konzert am Freitag, das die Jazzer Christopher Dell, Uli Partheil und Jürgen Wuchner gestalten.

Samstags sind den ganzen Tag lang Vorträge in der Aula des Fachbereichs Gestaltung: Querdenker sind Thema eines Symposiums, bei dem Fotografen, Kunsthistoriker, Musiker und Künstler über ihre Gedanken zum Leitthema sprechen.

Als Neuheit zum »Hören« dazugekommen ist eine Matinee mit Cafébar und Einführung zu den Ausstellungen des Rahmenprogramms sowie Poetry Slam mit Alex Dreppec in der Centralstation am Sonntag. Fürs Publikum steht sonntags Reden auf dem Programm: Wie in den Vorjahren sind die meisten der Künstler an den Ausstellungsorten zu Gesprächen über ihre Arbeiten bereit. Von Ort zu Ort geht es auch dann quer durch Darmstadt mit kostenlosen Ausstellungsbussen.

Die Koordination all dessen will gestemmt sein. Kein Wunder also, dass die Organisatoren Haag und Lechner in ihrem Büro nicht nur viel Spannung und Vorfreude ausstrahlen. Angesichts der Fülle klingt wohl auch Erleichterung mit, wenn sie sagen: »Um 18 Uhr am Sonntag ist dann Schluss, und die Bilder werden abgehängt.«

Annette Krämer-Alig

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Querdenker eröffnen neue Bildwelten

Rhein Main Presse, Allgemeine Zeitung 16.04.2008

Darmstädter Tage der Fotografie mit neuem Preis

DARMSTADT. Seit ihrem Start vor 3 Jahren haben die Darmstädter Tage der Fotografie ein breites überregionales Interesse gefunden und inzwischen einen guten Ruf. Nun findet das »Wochenende des Sehens« zum vierten Mal statt, wieder mit einem geballten Programm von Freitag bis Sonntag. Das jährlich wechselnde Thema sorgt für neue Herausforderungen, wie jetzt Querdenker – vom Kopf an die Wand.

So gibt es in diesem Jahr weniger Ich-betonte Bilder, meint Albrecht Haag, der das Festival, der das Festival mit einigen Darmstädter Profifotografen organisiert: »Querdenker können neue Bildwelten eröffnen, sie bringen die Gesellschaft voran.« Und wichtiger als die pure Ästhetik sind die Geschichten: »Wir suchen eine Haltung des Fotografen, eine Geschichte, die berührt, Künstler, die sich für etwas einbringen oder aufgeben.«

Die Hauptschau mit zwölf bekannten Fotokünstlern wie etwa Lukas Einsele oder Edgar Lissel findet im Designhaus auf der Mathildenhöhe statt, zudem präsentieren sich an 15 weiteren Ausstellungsorten die 37 Fotografen, die aus dem Berg von 280 Einsendungen ausgewählt wurde. Diese Ausstellungsorte sind über die Stadt verstreut. vom Deutschen Polen-Institut über das Schlossmuseum bis hin zur Kunsthalle.

Zudem gibt es wieder (am Samstag) ein ganztägiges Symposium mit Kunsthistorikern, Künstlern, Fotografen, Kuratoren und Musikern sowie (am Freitag) ein ebenfalls ganztägiges Seminar zum Thema Fundraising. Wer die Veranstaltungen nicht per pedes schafft, kann auf den Shuttle-Service zurückgreifen und sich von Ort zu Ort fahren lassen. Natürlich erscheint auch ein Katalog.

Neu aber ist, und das macht das Festival noch mal so spannend, der mit 5000 Euro dotierte Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie. Nominiert wurden 3 Fotografen, die ihre Arbeiten (gemeinsam mit drei weiteren Kollegen) im Museum Künstlerkolonie ausstellen. Bernadette Wolbring etwa untersucht mit ihrer Arbeit Camera die Wirkung von Licht an Vorlagen großer Meister der Malerei. Die 33-jährige Stuttgarter Fotokünstlerin verbirgt die Farben und das Licht von Gemälden Vermeers oder Gerhard Richters hinter Abstraktionen.

Der Amerikaner Chris Jordan nennt seine Bilder Running the numbers, denn sie sind indirekte Mahnmale von Umweltsünden. Der 45-jährige setzt Statistiken über den US-Konsum in subtile Massendarstellungen um. Damit werden zwar erschreckende, aber eben auch nüchterne Fakten zu ästhetischen Collagen mit visuell erfahrbaren Dimensionen. Was etwa von fern nur viele kleine Punkte sind, wird aus der Nähe ein gigantischer Berg von ausrangierten Handys.

Schließlich Carsten Klein mit seiner Reise ins Ich: In symbolträchtigen Bildern hinterfragt er die Versprechungen der Eltern an ihre Kinder. So setzt der 42-jährige Essener Fotokünstler die Pubertierenden und Heranwachsenden in Szene, zeigt sie in realen, aber unterkühlten Räumen und Landschaften – ein guter Ausdruck für ihre inneren Befindlichkeiten und heftigen Stimmungsschwankungen.

Christian Huther

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Gesucht: Hingabe an eine Geschichte

Darmstädter Echo 04.04.2008

Tage der Fotografie: Über Charme und Chancen des Darmstädter Programms

DARMSTADT. »Querdenker« haben sie gesucht und Einsendungen von 280 Künstlern erhalten. Zu sehen sind bei den Darmstädter Tagen der Fotografie vom 18. bis 20. April 37 ausgewählte Werkserien, die um den erstmals ausgeschriebenen Merck-Preis konkurriert haben. Mittlerweile sind die Arbeiten von Chris Jordan (Seattle, USA), Carsten Klein (Essen) und Bernadette Wolbring (Stuttgart) nominiert für die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung, die am 18. (Freitag) im Museum Künstlerkolonie verliehen wird – ein Höhepunkt des Fotowochenendes, das neben den Werken von insgesamt fast 50 Künstlern auch noch ein Symposium und ein Jazzkonzert bietet.

Verlangt hatten die Organisatoren Serien mit maximal zehn Motiven zum Thema Querdenker – Vom Kopf an die Wand. Veranstalter Albrecht Haag resümiert im ECHO-Gespräch: »Es gab keinen Mainstream. Achtzig Prozent waren richtig gut, zwanzig eher komisch. Da wurde nur mal schnell um die Ecke gedacht.« Was nicht ausgestellt wurde, hatte nicht »die Originalität und die konstante Qualität«, die die Jury erwartete. »Wichtig war, dass die Serien Geschichten erzählen. Rein ästhetische Konzepte mögen wir nicht«, sagt Haag. »Wir suchen eine Haltung des Fotografen, eine Geschichte, die berührt, Künstler, die sich für etwas hingeben oder aufgeben.« Also keine Werbefotografie, aber Arbeiten mit »handwerklicher Qualität und gesellschaftlicher Relevanz. Ausgestellt sind die Exponate an diversen Orten – in Galerien, im Staatsarchiv, aber auch in der Kunsthalle.

Für das Designhaus (Eugen-Bracht-Weg) haben die Veranstalter überdies eine Foto-Schau kuratiert mit zwölf bekannteren Künstlern wie etwa Lukas Einsele. Der Fotograf gehört neben dem Musiker Christopher Dell auch zu den sieben Referenten eines Symposiums zum Thema Querdenker am 19. (Samstag) zwischen 9.30 und 18 Uhr. Am 20. (Sonntag) gibt es in den Ausstellungen Gespräche mit fast allen vertretenen Künstlern. Nur vier hätten abgesagt, freut sich Haag und lobt den Charme der übersichtlichen Fototage. Im vergangenen Jahr mussten zehn Berliner Fotografen, die in der Hauptstadt gar nicht weit entfernt voneinander leben, erst nach Darmstadt kommen, um sich kennen und schätzen zu lernen, erzählt Haag. Die Metropole war wohl schlicht zu groß. Mittlerweile hätten sie in Berlin gemeinsam einen Salon gegründet.

sb

Eine Sonderbeilage zu den Tagen der Fotografie ist morgen (Samstag) im ECHO zu finden.

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Preisverdächtige Bilder

Frankfurter Rundschau 25.01.2008

Darmstadt. Pharmaunternehmen stiftet 5000 Euro für die Fotographietage

Ein nackter Mann im Schnee. Ein Berg mit Handys, leeren Flaschen oder massenhaft Flugzeuge. Licht in leeren Räumen. Was haben diese Bilder gemein? Mit ihnen sind gestern die drei Fotokünstler Carsten Klein, Chris Jordan und Bernadette Wolbring für den Merck-Preis der Darmstädter Fotografie nominiert worden. Die von der Firma Merck gestiftete Auszeichnung im Wert von 5000 Euro wird in diesem Jahr erstmals anlässlich des Fotofestivals vom 18. bis 20. April vergeben.

»Es ist ein bisschen wie bei der Oscar-Nominierung«, sagt Albrecht Haag vom Vorstand der Darmstädter Tage der Fotografie. Allein für den Preis nominiert zu sein, gelte schon als gute Referenz, denn das Fotofestival habe einen festen Platz in der deutschen Fotoszene, werde zunehmend international.

Zum diesjährigen Thema Querdenker – vom Kopf an die Wand wurden aus 280 internationalen Einsendungen 37 Künstler ausgewählt. Die drei besten wurden für den Preis nominiert: die Stuttgarterin Bernadette Wolbring (33) untersucht mit ihrer Arbeit Camera die Wirkung von Licht an Vorlagen großer Meister der Malerei. Chris Jordan (45) aus den USA setzt Statistiken über den amerikanischen Konsum in Massendarstellungen um. Und Carsten Klein (42) aus Essen hinterfragt die Versprechen von Eltern an ihre Kinder in symbolträchtigen Bildern.

Wer von ihnen gewinnt, gibt die sechsköpfige Jury aus Veranstaltern und externen Experten am 18. April bei der Preisverleihung im Museum der Künstlerkolonie bekannt. Dort wird auch die Hauptausstellung der Fototage gezeigt, in der die Bilder zehn eingeladener Fotografen zu sehn sind. Begleitet wird die Ausstellung von Vorträgen und Diskussionsrunden. Zeitgleich stellen 34 Fotografen über Darmstadt verteilt ihre Arbeit aus.

Claudia Horkheimer

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Merck stiftet neuen Preis: 5000 Euro für das beste Bild

Darmstädter Echo 25.01.2008

Tage der Fotografie: An 16 Orten spiegelt sich im April das Motto ›Querdenker‹

DARMSTADT. »Wir sind wieder da«, sagt Albrecht Haag, als er zur Vorstellung des Programms der vierten Darmstädter Tage der Fotografie vom 18. bis 20. April einlädt. Querdenker – Vom Kopf an die Wand ist ihr Motto. Im Designhaus auf der Mathildenhöhe wird man zwölf Positionen zum Thema vorstellen, an weiteren 15 Ausstellungsorten ist der Rest der 37 ausgewählten Arbeiten zu sehen; dazu kommen wie in den Vorjahren ein Symposium mit Fotografen und Wissenschaftlern und die abendliche Lounge in den Räumen von 603qm in der ehemaligen Stöferlehalle. Neu ist vor allem die Verleihung des mit 5000 Euro dotierten Merck-Preises der Darmstädter Tage der Fotografie.

Es ist ein kurzes, aber hoch konzentriertes Ausstellungsgeschehen. Mit den ›Taxis‹, die der Sponsor Skoda auch in diesem Jahr zur Verfügung stellt, kann man kostenfrei an alle Ausstellungsorte gelangen: zur Mathildenhöhe, wo Designhaus, Museum Künstlerkolonie, Deutsches Polen-Institut sowie die Galerie Maria Kohl Fotografien zeigen. Die Wagen bringen Interessierte aber auch in die Stadtmitte – zu 603qm, ins Staatsarchiv, den Schlosskeller, das Kunstarchiv, das Evangelische Forum (›Offenes Haus‹) und in die Kunsthalle. Christiane Kleins Galerie liegt gar im Komponistenviertel. Neuer Ausstellungsort ist der kleine Saal der Centralstation.

»Unsere Aufgabe ist es, an der fotografischen Front dabei zu sein«, sagt Haag. Alexandra Lechner, die ebenfalls wieder maßgeblich an den Vorbereitungen beteiligt ist, ergänzt: »Wir wollen dabei die Inhalte dessen, was wir bieten, immer verfeinern.« Vom Kopf an die Wand ging es in den Bildern der Fototage schon immer. Wichtiger scheinen deshalb die Querdenker im Titel. In den zurückliegenden Jahren sei es mit Selbstsicht – Der Schritt ins Bild und Überblick – Konstruktionen der Wahrheit thematisch um den Menschen selbst gegangen, sagen Lechner und Haag. Jetzt sollen die Bilder weniger Ich-betont sein: »Querdenker können neue Bildwelten eröffnen, sie bringen die Gesellschaft voran.«

Diese Erkenntnisse können sehr verschiedener Art sein, wie die Arbeiten der drei für den neuen Merck-Preis nominierten Fotografen zeigen. Der Amerikaner Chris Jordan versteckt in seinen Bildern Running The Numbers Mahnmale zu Umweltsünden: Aus der Ferne sind es viele Punkte, aus der Nähe wird ein großer Haufen weggeworfener Handys daraus. Carsten Klein geht auf eine Reise ins Ich. Er versteckt das Stimmungstief der Pubertät in einem nackten Jüngling, der mit den eisigen Feindlichkeiten des finnischen Winters mehr schlecht als recht zurande kommt. Bernadette Wolbring verbirgt die Farben und vor allem das Licht bedeutender Gemälde von Vermeer bis Gerhard Richter in Abstraktionen. Wer von ihnen bekommt die neue Auszeichnung? Das wollen die Veranstalter bis zum Eröffnungsabend und der Preisverleihung offen lassen, sicher ist bislang nur, dass die drei in einem Raum im Museum Künstlerkolonie nebeneinander zu sehen sein werden.

280 Einsendungen hat es gegeben. Ausgeschrieben wurde im vergangenen September, der Merck-Preis kam im Oktober als zusätzlicher Anreiz für Bewerber dazu: Merck, ein Sponsor der Fototage von Beginn an, will mit der Zusage, diesen Preis zunächst drei Jahre lang zu finanzieren, signalisieren, »wie erfreut man über dieses Projekt von Anfang an war. Wir stiften nicht so viele Preise in der Stadt, aber diese Eigenständigkeit bringt Neues ins städtische Kulturleben«, erklärt Isabel Merkle, die bei Merck für das Kultursponsoring zuständig ist.

Drei Tage schauten und sortierten Lechner und Haag sowie Gregor Schuster und Rüdiger Dunker vom veranstaltenden Verein der Darmstädter Tage der Fotografie, als externe Juroren kamen die Fotografin Ute Noll und Kris Scholz vom Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt dazu. »Zwanzig Prozent dessen, was man zeigen will, sind schnell klar, aber über die Arbeiten aus der großen Mitte muss man länger nachdenken«, sagen Lechner und Haag.

Qualität zählt auch für die Finanzierung der Veranstaltung. Die Tage der Fotografie sind zu einer Art Festival geworden: dank des Darmstädter Publikums, für das diese drei Tage zum kulturellen ›Eigentum‹ geworden sind, dank des heute deutschlandweiten Renommees, und jetzt zusätzlich dank des neuen Preises. Wie in den Vorjahren wird das von vielen Sponsoren anerkannt, die Stadt Darmstadt hat ebenfalls signalisiert, dass es wieder zu einem Zuschuss kommen könne; organisatorisch wird man von der Werkbundakademie Darmstadt und dem Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt unterstützt. Ein Risiko bleibt dennoch. Man lässt sich darauf ein: »Wir schreiben – wie es sich für einen Verein gehört – eine schwarze Null in unseren Finanzplan, und irgendwie geht das immer auf«, sagen Lechner und Haag.

Annette Krämer-Alig

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