
Photonews 6/2010
Darmstädter Echo 26.04.2010
Frankfurter Rundschau 23.04.2010
Darmstädter Echo 21.04.2010
Frankfurter Allgemeine Zeitung 06.04.2010
Darmstädter Echo 20.03.2010
Darmstädter Echo 19.03.2010
Frankfurter Allgemeine Zeitung 09.02.2010
Die sechste Folge der Darmstädter Tage der Fotografie lockte mit Ausstellungen, Symposium und vielen Begegnungen.
Ein älterer Mann liegt nur mit Badehose, Schuhen und Hut bekleidet auf dem Asphalt vor einer Mauer. Kein einladender Ort, doch mit Handtuch, einem Beistelltisch und einer Tasse Tee hat er es sich bequem gemacht. Auch seine mit krakeliger Schrift auf Linienpapier notierte Erklärung unter dem Bild zeugt davon: ›Enjoying the sun‹. Das Bild stammt von der amerikanischen Fotografin KayLynn Deveney und entstand während ihres Studienaufenthaltes in Wales. Dort traf sie in ihrer Nachbarschaft den Witwer Albert Hastings und fing an, ihn in seinem Alltag zu fotografieren. Verblüfft über die Reaktionen des über 80jährigen bat sie schließlich um handschriftliche Kommentare. So entstand die sehr eindringliche Serie The Day-to-Day Life of Albert Hastings, einer der Höhepunkte der diesjährigen Darmstädter Tage der Fotografie (23.-25. April). Auf zurückhaltend-poetische Weise bereicherte diese Arbeit das Festivalthema Jetzt. Die erzählte Zeit. Fotografin und Portraitierter erzählen hier gemeinsam.
Zusammen mit 11 weiteren Positionen war die Geschichte zu Albert Hastings in der Hauptausstellung des Festivals zu sehen. Auch wenn die Zeit ohnehin ein zentraler Aspekt jeder Fotografie ist, so wurde hier der Zeitbegriff doch auf besondere und höchst unterschiedliche Weise visualisiert – sei es mit Langzeitbelichtungen (Kyungwoo Chun, Hans Christian Schink, Michael Wesely), mit digital realisierten Zeitadditionen (Mathieu Bernard-Reymond), in Form von Spuren suche (Georg Knoll, Mona Simon) oder als Dokumente und Erinnerungen familiärer Lebensphasen (Thekla Ehling).
Es gehört zum Konzept der Darmstädter Fototage, dass diese Hauptausstellung von einem üppigen, zuvor ausgeschriebenen Rahmenprogramm zum selben Thema begleitet wird. Allein die Tatsache, dass sich in diesem Jahr 480 Fotografen bewarben und dabei keinesfalls nur Studenten und Nachwuchsfotografen, sondern auch viele bereits etablierte Bildautoren, zeigt, wie attraktiv die Darmstädter Tage der Fotografie in der Szene mittlerweile sind. Die Bedingungen sind zudem sehr fair: Für eine Teilnahmegebühr von 25 Euro werden die eingesandten Aufsichtsvorlagen zu rückgeschickt und zum Abschluss erhält jeder Bewerber einen Katalog. Zudem besteht seit 2008 die Chance, den mit 5.000 Euro dotierten Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie zu gewinnen. Für 2010 ging der Preis an die amerikanische Fotografin Alia Malley, die wie KayLynn Deveney mit leisen Tönen überzeugte. In ihrer Serie Southland blickt sie auf Brachlandschaften nahe Los Angeles, die hier an Sujets traditioneller Landschaftsmalerei erinnern. Die »Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft löst sich scheinbar auf«, wie die Festival macher schreiben.
Insgesamt 40 Positionen an elf verschiedenen Orten der Stadt vereinte das Rahmenprogramm. Nicht immer war die Auswahl überzeugend und manche Serie hätte mehr Bilder vertragen, doch insgesamt bot sich ein Parcours mit vielen charmanten, überraschenden und informativen Serien. Dazu gehörte Jan von Hollebens Sammlung eigener Automatenfotos, die sein Älterwerden von 11 bis 21 Jahre zeigen; Dirk Roses Zyklus Vice, bei dem der Fotograf als Fotoassistent bei Probeaufnahmen eine Art Versuchskaninchen spielen musste; Anja Engelkes Essay über die Bewohner des Südseeatolls Nauru oder das Projekt Covergirl, bei dem Tina Bara zusammen mit Alba D'Urbano in einer Installation jene Privatfotos ihrer selbst untersucht und rekonstruiert, die einst im Archiv der Staatssicherheit der DDR landeten. Erweitert wurden die Ausstellungen zudem mit Arbeiten von Darmstädter Fotostudenten und mit einigen Serien vom Pixelprojekt Ruhrgebiet. Es gab also reichlich zu sehen, doch war das Programm mithilfe des von Skoda gestifteten Shuttleservice gut zu bewältigen.
Seit Jahren erzählten uns beteiligte Fotografen begeistert von dem kleinen, aber feinen Fotofestival in Darmstadt, das seit 2005 jeweils im Frühjahr mit einem thematischen Schwerpunkt stattfindet. Während andere Festivals mitunter bis zur Konturlosigkeit ausufern, pflegen die Darmstädter eine beachtliche Konzentration: Am Freitagabend wird eröffnet, am Samstag folgt das Symposium und am Sonntagabend werden die ausgestellten Bildserien wieder abgehängt, oft von den Bildautoren selbst. Das alles geschieht mit einer bemerkenswerten Fröhlichkeit und gruppendynamischen Entspanntheit, wenngleich den Organisatoren mitunter der Stress anzumerken ist. Dieses Jahr hatte das ehrenamtlich tätige Team mit Widrigkeiten zu kämpfen: Die Aschewolke des Eyjafjallajökull verhinderte die Anreise einiger internationaler Künstler, selbst eine Bildserie musste kurzfristig neu produziert werden, was dank der Firma RECOM gelang. Und Michael Wesely sagte als Referent des Symposiums krankheitsbedingt kurzfristig ab. Dabei wäre vor allem seine künstlerische Position der extremen Langzeitbelichtungen für das diesjährige ›Zeit‹-Thema spannend gewesen. Aber auch die Vorträge von Mona Breede (über die Faszination des Themas Kindheit in der zeitgenössischen Fotografie) oder von Herlinde Koelbl (über eigene Langzeit-Portraits, wie in ihrer Arbeit Spuren der Macht) haben das Thema auf spannende Weise vertiefen können. Ebenso Kyungwoo Chuns Einblicke in eigene Fotografie- und Performance Arbeiten sowie der Vortrag des Verlegers Chris Boot, der anekdotenreich erzählte, wie Fotografen der Agentur Magnum im Auftrag des Staates Georgien ein Buch fotografierten. Für den philosophischen Über- und Unterbau beim Symposium sorgte der Philosoph Andreas Gelhard.
Fazit: Unter den zahlreichen, im internationalen Vergleich eher kleinen Fotografie-Festivals in Deutschland gehören die Darmstädter Tage der Fotografie zu den charmantesten und inhaltlich konzentriertesten. Für Fotografieinteressierte lohnt es sich, dieses Wochenende im Jahr freizuhalten. Und wer als Künstler/Fotograf selbst beteiligt ist, kann sich auf einen anregenden Austausch mit Kollegen freuen.
A.G.
www.photonews.de
Darmstädter Echo 26.04.2010
Ausstellung: Sehnsüchte aus der Kamera: Die Darmstädter Tage der Fotografie werden wieder zum Erfolg
DARMSTADT. Ein Jegliches hat seine Zeit, heißt es in der Bibel bei Prediger Salomo. Das leuchtet unmittelbar ein: Die Zeit für dies oder das kommt, oder sie ist vergangen, es braucht seine Zeit, oder es ist, als ob es gestern gewesen wäre. Zeit ist objektives Messkriterium und subjektive Darstellung, gerade auch für Fotografen. Es gibt kein Entrinnen, egal wie schön das Erlebte ist oder war oder wie grausam. Bei den Darmstädter Tagen der Fotografie am Wochenende war Jetzt – Die erzählte Zeit das Thema, das den Künstlern in der Hauptausstellung im Designhaus am Eugen-Bracht-Weg und an elf weiteren Orten Gelegenheit bot, ihre Auseinandersetzung damit zu zeigen.
Wer durch die vielen – erfolgreichen – Ausstellungen schlenderte, stellte rasch fest: Die Auseinandersetzung mit dem »Jetzt« führt meist in die Vergangenheit. Es ist dabei egal, ob der Fotograf über Jahre hinweg die Veränderung des Potsdamer Platzes in Berlin mit der Kamera beobachtet und die Bilder dann technisch übereinander projiziert wie Michael Wesely oder ob Jan von Holleben die eigene Veränderung festhalten will und sich dafür von der Kindheit bis zum Studienende immer wieder am Bahnhof in die Fotokabine setzt. Das Gefühl des »Das habe ich schon gesehen« wuchs dennoch nur bisweilen, vor allem, wo es nach eher gewohntem Muster dokumentarisch zugeht wie bei Annette Jonak (die im Literaturhaus ausgestellt war) oder bei Mona Breede, deren Fotos im Museum Künstlerkolonie gezeigt wurden. Bei diesen Arbeiten wird schnell klar, dass in den Bildern einer verlassenen tschechischen Fabrik oder im schlurfenden alten Mann in der Wallstreet »Sinn« stecken soll. Mona Simons Dokumentation der Erinnerungen an einen geliebten Ort in Siebenbürgen (gezeigt in der Hauptausstellung) überzeugen dagegen unmittelbar – hier bekommt das traurige kleine Mädchen mit den schönen Locken Sinn, weil Fragen offen bleiben. Der Betrachter wird allein gelassen damit, ob die Zeit dieser Siedlung nicht längst vergangen ist.
In der exzellenten Hauptausstellung durften Positionen aufeinanderprallen. Simons Siebenbürgen-Bilder vertrugen sich dabei gut mit Weselys fotografischer Abstraktion, in der die deutsche Hauptstadt über die Jahre zunehmend an Profil verliert. Thekla Ehlings Serie Sommerherz, später bringt Mensch und Natur scheinbar willkürlich zusammen - hier der nackte Junge im weiten Kornfeld, da gleich daneben ein Kirschzweig. Doch das sommerliche Stillleben gelingt trotz aller Sentimentalität. John Divola hält schwarzweiß einen schonungslosen Selbstversuch fest: Wie weit komme ich, wenn ich den Selbstauslöser meiner Kamera auf zehn Sekunden stelle? Wie fit bin ich dabei als fünfzigjähriger Mann?
Im »Jetzt« als erzählte Zeit glänzte auf jeden Fall jedoch KayLynn Deveneys lange Serie über den Alltag des Albert Hesting: Sie hat den alten Mann auf wiederkehrenden Stationen seines Lebens begleitet, und er selbst hat Bild für Bild dazugeschrieben, was die Situation für ihn bedeutet. Ihr Blick zurück aufs »Jetzt« ist sehnsüchtig und ebenso traurig wie der der der Gewinnerin des Merck-Preises im Rahmen der Fototage. Alia Malleys Dauerserie Southland entsteht seit 2009 in unbenutzten Gebieten von Los Angeles, die früher bürgerliche Siedlungen waren und zu verwilderten Landschaften verkommen sind – wuchernde Schönheiten überwinden hier die Zivilisation.
Die Studenten des Fachbereichs Gestaltung an der Hochschule hatten in diesem Jahr ein Thema, das die Augen ganz anders öffnen konnte. Sie brachten aktuelle Spielarten der Modefotografie an die Wände, deren aggressive Spannung in Zeitschriften Lust auf die Modelle der Saison machen sollen. Dafür wühlt denn bei Katharina Göbel und Anke Schneider eine schöne Asiatin ressourcenschonend und erfolgreich in den Säcken der Altkleidersammlung. Ein Höhepunkt dieser Fototage war jedoch der Gang durch die Kunsthalle. Die Hochzeiten des Casanova sind Inszenierungen venezianisch-vornehmen Lebens im 18. Jahrhundert, während Johanna Klier in großer Schönheit belegt, dass Fotografien aus dem Pressebereich in ihrer Inszenierung auf bekannte Motive christlicher Malerei zurückgreifen. In ihrer Qualität können diese Arbeiten mithalten mit den Serien des Pixelprojekt_Ruhrgebiet und seiner virtuellen Internet-Galerie zur Region Ruhrgebiet. Es ist spannend, wie Angelika Grossmann darin durch eine Reihung der Porträts von je vier jungen Leuten deutlich macht, dass Punks und Feuerwehrmusiker einander in der Selbststilisierung als Gruppe gleich sind.
Zunächst irritierend, dann einnehmend war in der Kunsthalle vor allem auch Falk von Traubenbergs Cube 1: eine Installation, in der hunderte von Dias eines verstorbenen Freundes zu sechs mal sechs Reihen in Einmachgläsern getürmt sind, deren »Geschosse« durch Metallgitter getrennt werden. Nicht nur der Freund ist hier vergangen, sondern durch die neuen Techniken ist auch sein Lebenswerk vergangenes Sein.
Annette Krämer-Alig
Frankfurter Rundschau 23.04.2010
Leo Tolstoi gibt das Thema vor: »Denke daran, dass es nur eine wichtige Zeit gibt: Heute. Hier. Jetzt«. Das Zitat des russischen Literaten ist Motto und Einladung zugleich für die Darmstädter Tage der Fotografie vom 23. bis 25. April. Unter dem Titel Jetzt – Die erzählte Zeit zeigen mehr als 50 internationale Fotokünstler an elf Orten in der Stadt ihre Arbeiten. 2004 von einer Gruppe von Fotografen als Möglichkeit des Austausches gegründet, zählen die Tage der Fotografie heute mit zu den wichtigsten deutschen Fotoereignissen. Zum sechsten Mal veranstaltet, bietet das Festival an diesem Wochenende nicht allein Fotokunst, sondern auch Diskussionen und ein Rahmenprogramm mit Wissenschaftlern und Philosophen. Sie alle setzen sich mit dem Thema Zeit auf ihre eigene Weise auseinander.
Die Hauptausstellung mit zwölf internationalen Künstlern konzentriert sich auf die wunderbaren Altbauräume des Designhauses auf der Mathildenhöhe. Ferner zeigen 40 Nachwuchskünstler über die ganze Stadt verteilt – in der Kunsthalle, in der Centralstation, in Galerien und der Hochschule Darmstadt – ihre Arbeiten.
Mit dabei ist auch das Literaturhaus, wo der Förderverein für die Tage der Fotografie neuerdings seine Geschäftsstelle eingerichtet hat. Im Foyer sind 50 Drucke amerikanischer Landschaften zu sehen, die dort beim Einzug gefunden wurden. Fotos der Londonerin Kate Peters mit dem Titel Stranger than fiction ergänzen die Schau sowie Arbeiten von Per Schorn, der verlassene amerikanische Kasernen im Rhein-Main-Gebiet zeigt. Samstag und Sonntag, 10 bis 18 Uhr, haben alle Ausstellungsorte geöffnet. Ein Höhepunkt dürfte die Schau in der Kunsthalle sein, wo das Pixel-Projekt vorgestellt wird, das bei den Feiern zur Kulturhauptstadt im Ruhrgebiet entstand. Die Ausstellungsmacher Jean-Christophe Ammann und Peter Liedtke geben Sonntag, 14 Uhr, eine Führung.
Wieder verliehen wird der Merck-Preis für die Fotokünstler. Nominiert sind dieses Jahr Dirk Brömmel aus Wiesbaden, Lea Golda Holterman aus Tel Aviv und Alia Malley aus Los Angeles.
Astrid Ludwig
Darmstädter Echo 21.04.2010
Fototage: Eröffnung des Festivals und Verleihung des Merck-Preises am Freitag auf der Mathildenhöhe
DARMSTADT. Der Vulkanstaub hat dem Thema der sechsten Darmstädter Tage der Fotografie eine weitere Facette hinzugefügt. Jetzt – Die erzählte Zeit heißt es von Freitag (23.) bis Sonntag (25.), doch nun geht es nicht mehr nur um die Zeit als Grundfaktor der Fotografie, um Erinnerungen, die in Bildern zu Dokumentationen werden oder um den Begriff der Zeit, der im Symposium am Samstag (24.) zu Vorträgen wird. Die Zeit zwingt manchen jetzt auch zum Wettlauf Richtung Darmstadt: Einer der Vortragenden des Symposiums hat das letzte Euro-Star-Ticket für Freitag bekommen, er wird mit dem Schnellzug unterm Meer von Großbritannien auf den Kontinent fahren, dann geht es weiter zur Darmstädter Vernissage im Designhaus am gleichen Abend.
Bei fünf anderen Künstlern und Referenten ist noch unsicher, ob sie überhaupt kommen können. Darunter sind auch zwei der drei Kandidaten für den mit 5000 Euro dotierten Merck-Preis, der vom Darmstädter Pharmaunternehmen Merck gestiftet wird. Lea Golda Holterman will aus dem israelischen Tel-Aviv anreisen, Alia Malley in Los Angeles ins Flugzeug steigen. Leicht hat es wohl nur der Dritte im Bunde der möglichen Preisträger: Dirk Brömmel kommt aus Wiesbaden. Dennoch werden die Bilder aller möglichen Preisträger zu sehen sein, wie Alexandra Lechner und Albrecht Haag vom Verein Darmstädter Tage der Fotografie versichern. Denn moderne Computertechnik macht den Transport der Arbeiten weniger kompliziert als den der Menschen.
Zeitdruck kennen auch die Organisatoren. Im Designhaus am Eugen-Bracht-Weg sind Gregor Schuster und Rüdiger Dunker (die beiden anderen Organisatoren des ›Fototage‹-Vereins) mit mehreren Helfern bereits am Vorbereiten, an mehreren anderen der elf Ausstellungsorte starten die Arbeiten in der Nacht vor Beginn der Schau. »In der Centralstation können die Fotografen erst nach dem Ende eines Konzerts mit dem Aufbau beginnen«, sagt Albrecht Haag. Dort sind die Künstler genauso wie die drei Wettbewerbs-Kandidaten im Museum Künstlerkolonie auch selbst mit der Hängung betraut. Aber: »Wir bieten trotzdem eine Rundumbetreuung. Wir planen vorab, die Künstler müssen ihre Arbeiten nur selbst an die Wände bringen.«
»Die dreitägige Struktur der Veranstaltung hat sich bewährt«, sind Lechner und Haag überzeugt. Deshalb steht am Beginn am Freitag um 18 Uhr erneut die Eröffnung der Hauptausstellung im Designhaus, wo zwölf vom Kuratorium der Fotografie-Tage ausgewählte Künstler ihre Arbeiten zeigen. Um 19.30 Uhr folgt im Museum Künstlerkolonie die Verleihung des Merck-Preises – erst dort wird der Preisträger bekannt gegeben, der vom Kuratorium um Haag und Lechner am selben Tag ausgedeutet wurde. Ab 21 Uhr sind im Foyer des Fachbereichs Gestaltung am Olbrichweg 10 in einem Visuellen Dialog Arbeiten von Studenten der Darmstädter Hochschule und der Fachhochschule Bielefeld zu sehen. Der Abend klingt aus mit einer Late Night in der Centralstation (geöffnet ab 20 Uhr).
Sieben Fotokünstler, Designer, Verleger und Wissenschaftler beziehen am Samstag von 9.30 bis 18 Uhr Position mit Vorträgen in der Aula des Fachbereichs für Gestaltung. Darunter sind bekannte Namen wie die Fotografin Herlinde Koelbl und mit Andreas Gel hard auch ein Darmstädter Philosophieprofessor. »Wir sind stolz auf unsere gewachsenen Strukturen«, sagen Lechner und Haag in Bezug auf die Ausstellungen wie die Vortragenden und auch auf Kooperationen beispielsweise mit ehemaligen Darmstädter Architekturstudenten, die wie zur Studienzeit den Saal zur Lounge am Samstagabend in der Kulturhalle 603qm an der Alexanderstraße gestalten: »ein Treffpunkt für Künstler und Fototage-Besucher«, sagen die Veranstalter (ab 18 Uhr).
Samstags und sonntags sind alle zwölf Ausstellungen in Darmstädter Kulturinstitutionen sowie die Galerien C. Klein und Raumgold von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Sonntag beginnt um 11 Uhr mit einer Matinée in der Centralstation: Alle Fotografen wollen dabei sein, der Galerist Claus K. Netuschil und der Musiker Uli Partheil bereiten die gemeinsame Einführung vor.
Ein Höhepunkt des Wochenendes dürfte jedoch die Schau in der Kunsthalle sein, wo neben den Arbeiten von elf Fotografen auch das Pixel-Projekt vorgestellt wird, das anlässlich der Kulturhauptstadt-Feiern des Ruhrgebiets entstand. Die bekannten Ausstellungsmacher Jean-Christophe Ammann und Peter Liedtke führen sonntags um 14 Uhr durch diese Schau.
Annette Krämer-Alig
Frankfurter Allgemeine Zeitung 06.04.2010
50 Künstler bei den Darmstädter Tagen der Fotografie
h.r. DARMSTADT. Noch haben die Darmstädter Tage der Fotografie nicht begonnen. Aber einen kleinen Vorgeschmack auf das internationale Festival, das am 23. April eröffnet wird, gibt schon jetzt das Literaturhaus, wo der Förderverein Darmstädter Tage der Fotographie seit einigen Wochen seine Geschäftsstelle hat. Im Foyer des Literaturhauses sind 50 Drucke amerikanischer Landschaften zu sehen, die dort beim Einzug aufgefunden wurden, ergänzt um Arbeiten von Kate Peters aus London aus dessen Serie Stranger than fiction und Per Schorn aus Frankfurt, der verlassene amerikanische Kasernen im Rhein-Main-Gebiet zeigt.
Am 23. April geht es dann in einer etwas anderen Dimension weiter. Insgesamt gestalten in diesem Jahr mehr als 50 Fotokünstler das Rahmenprogramm bis zum 25. April sowie mehrere Philosophen und Wissenschaftler, die am 24. April an dem Symposion teilnehmen, das um das diesjährige Thema der Fotografie-Tage kreist: Jetzt – Die erzählte Zeit. Zu ihnen gehören etwa der Verleger Chris Boot, der Philosoph Andreas Gelhard, der Designer Mario Lombardo und die Fotografin Herlinde Koelbl.
Die Darmstädter Tage der Fotografie wurden 2004 von einer Gruppe Fotografen gegründet und sind als Plattform zum Austausch unter den Künstlern und mit den Besuchern konzipiert. Für das Festival verantwortlich zeichnen die drei Mitglieder des Fördervereins Alexandra Lechner, Albrecht Haag und Gregor Schuster, die eng mit einem Kuratorium zusammenarbeiten. Mit dem Jahresthema 2010 greift das Festival diesmal über alle fotografischen Genres hinweg. In der Hauptausstellung im Designhaus auf der Mathildenhöhe sind dazu die Positionen von zwölf ausgesuchten zeitgenössischen Fotokünstlern zu sehen. Weitere 40 Nachwuchskünstler präsentieren ihre Arbeiten zum Thema Jetzt – Die erzählte Zeit an elf Standorten in der Stadt – vom Deutschen Polen-Institut und der Centralstation bis zum Kunst Archiv oder der Kunsthalle. Der Fachbereich Gestaltung der Hochschule bietet zusätzlich eine Ausstellung im Foyer mit Projekten von Studenten, die in einen ›visuellen Dialog‹ mit Arbeiten von Studenten der FH Bielefeld treten. Neben dem Symposion finden außerdem zwei Seminare statt zu Fundraising und Projektmanagement für Fotografen.
Wie üblich wird am Eröffnungstage auch der Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie verliehen. Nominiert sind dieses Jahr Dirk Brömmel aus Wiesbaden, Lea Golda Holterman aus Tel Aviv und Alia Malley aus Los Angeles. Die Preisverleihung findet am 23. April um 19.30 Uhr im Museum Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe statt.
Darmstädter Echo 20.03.2010 (Auszug)
DARMSTADT. Vieles riecht nach Aufbruch und Neuanfang im Literaturhaus Darmstadt. Den Auftakt der neuen Lesereihe Deutsche Autoren gestaltete am Mittwoch Abend Stephan Thome mit seinem Debütroman Grenzgang. Kurt Drawert, der als kommissarischer Leiter das Programm dieser Saison noch gestaltet hatte, übergab das Amt offiziell an Adrienne Schneider, die seit zwei Wochen in Darmstadt tätig ist. Albrecht Haag und Gregor Schuster von den Darmstädter Tagen der Fotografie führten sich mit einer kleinen Fotoausstellung in den Räumen des Vortragssaals des Literaturhauses ein, nachdem sie dort gerade ihre neuen Geschäftsräume bezogen haben. Die kulturpolitisch angestrebte intensivere Kommunikation und Zusammenarbeit der im Kennedy-Haus beheimateten Kulturinstitutionen ist zumindest an diesem Abend einmal gelungen.
Albrecht Haag und Gregor Schuster hatten Glück: Ihnen fiel die Idee zu ihrer neuen Ausstellung quasi vor die Füße. In dem neuen Büro, das einmal Lagerraum des Amerikahauses gewesen war, fanden sie alte Fotografien aus dem Jahr 1966, Landschaftsaufnahmen in den für diese Zeit typisch grellen Farben, die die Weite Amerikas dokumentieren. Die Graslandschaft Nebras kas mit Cowboy oder die weite Flusslandschaft New Mexicos suggerieren Freiheit in einem Zusammenspiel aus kultivierter und ungebändigter Natur. Die zeitgenössischen Fotografien rücken den bewohnten Raum ins Zentrum der Betrachtung, Orte an denen Menschen deutliche Spuren hinterlassen haben bei Kate Peters, während Peer Schorn in klarer geometrischer Ausrichtung verlassene amerikanische Kasernen im Rhein-Main-Gebiet zeigt.
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Darmstädter Echo 19.03.2010
Tage der Fotografie: Das Programm steht: 52 Künstler zeigen an zwölf Orten in Darmstadt Bilder zum Thema ›Jetzt‹
Die Uhr läuft beständig: Jetzt – Die erzählte Zeit ist in diesem Jahr das Thema der Darmstädter Tage der Fotografie 2010 – und schon jetzt ist auf die Stunde genau geplant, was dabei von 23. bis 25. April zu erleben ist. Es gibt zudem schon viel zu erzählen im Vorfeld, denn die Veranstalter dieser sechsten Darmstädter Tage für Fotografie präsentieren in ihrer Vorankündigung zu den Terminen Zahlen und Inhalte ihrer Planung.
Das Jahresthema nimmt wie in den Vorjahren Bezug auf einen zentralen Begriff in der Fotografie: Zeit ist technisch verbunden mit der Bilderzeugung, aber auch inhaltlich, wenn Zeit zum Bild werden soll. »Durch Beobachtung und Interpretation wird das Zeitgeschehen erfasst als authentischer, erzählter oder inszenierter Moment oder als zeitlose, verdichtete oder epische Erzählung«, schreiben die Veranstalter.
Internet
Aktuelle Informationen zu den Darmstädter Tagen der Fotografie sind unter der Adresse www.dtdf.de zu finden.
Zwölf Künstler zeigen ihre sehr unterschiedlichen Arbeiten dazu in der Hauptausstellung im Designhaus auf der Darmstädter Mathildenhöhe, erklären Alexandra Lechner, Albrecht Haag, Gregor Schuster und Rüdiger Dunker, die vier Organisatoren vom Verein Darmstädter Tage der Fotografie. Dazu sind im Rahmenprogramm an elf Orten in der ganzen Stadt Bilder weiterer 40 Künstler zu sehen. Sieben Vorträge umfasst das ganztägige Symposium, zwei Workshops für Fotografen, eine abendliche Lounge sowie eine Matinee schließen den Kreis der Veranstaltungen.
Der bleibende Ehrgeiz der Veranstalter für das Projekt ist jedoch nicht nur an der Vielzahl des Gebotenen abzulesen: Die Tage der Fotografie gewinnen von Jahr zu Jahr an internationalem Renomee, und auch die Idee, mit den Ausstellungen oder dem Symposium die Entstehung von Netzwerken zu fördern, wird gut angenommen. Bis 14. November 2009 lief die Bewerbungsfrist für dieses Jahr; danach konnten die sechs vom Verein der Fototage in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Ute Noll und Kris Scholz, Professor an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Gestaltung, ihre Entscheidungen für Teilnahme oder Ablehnung fällen. Gesichtet wurden 480 Werke zum Jahresthema Jetzt – Die erzählte Zeit, das bereits im vergangenen Juli gefunden war.
40 Arbeiten sind nun auch an anderen Orten zu sehen: Neben den etablierten Fotografen der Hauptausstellung sollen in den Begleitpräsentationen auch Nachwuchskünstler eine Chance erhalten. Drei von ihnen haben ihre Chance schon Vorfeld bekommen. Dirk Brömmel, (Wiesbaden), Lea Golda Holterman (Tel-Aviv, Israel) und Alia Malley (Los Angeles, USA) sind Anwärter für den mit 5000 Euro dotierten Merck-Preis, der vom Darmstädter Pharmaunternehmen Merck gestiftet und in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben wird. Wer die Auszeichnung erhält, entscheidet sich erst am Eröffnungstag, denn erst nach der Hängung der Bilder im Museum Künstlerkolonie wird die Jury tätig.
Die drei Darmstädter Tage der Fotografie werden zu den vielen Bildern auch in diesem Jahr erprobtes Beiwerk anbieten. So ist beispielsweise der Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt wieder mit einer eigenen Ausstellung dabei. Den Fotos Darmstädter Studenten werden im Foyer der Hochschule Arbeiten von Studierenden der Fachhochschule Bielefeld gegenüberstehen. Beim ganztägigen Symposium am Samstag (24. April) stellen Fotografen, Wissenschaftler und Philosophen ihre Sicht der Zeit in Vorträgen dar.
Annette Krämer-Alig
Frankfurter Allgemeine Zeitung 09.02.2010
Die Tage der Darmstädter Fotografie ziehen Künstler an
h.r. DARMSTADT. Die Jury für die Darmstädter Tage der Fotografie hatte in den zurückliegenden Wochen viel zu tun. Mussten die Juroren im vergangenen Jahr noch 280 eingereichte Fotoarbeiten begutachten, so galt es diesmal, 480 Werke zu sichten, die Fotokünstler aus Deutschland und anderen Ländern für das diesjährige Ausstellungsthema Jetzt – Die erzählte Zeit eingereicht hatten. Rund 40 Exponate sind für die Schau, die sich als Plattform für Experten, Künstler und Interessierte versteht, ausgewählt worden. Sie sind während des Fotofestivals, das zum sechsten Mal in Darmstadt stattfindet, vom 23. bis zum 25. April zu sehen.
Wie in den Vorjahren ist das Designhaus auf der Mathildenhöhe Ort der Hauptausstellung, wo zehn Positionen zum Thema präsentiert werden. Weitere 40 Fotografen, die am Wettbewerb um den Merck-Preis teilgenommen hatten, werden mit ihren Arbeiten in verschiedenen Galerien, Museen und sogenannten Off Places ausgestellt.
Der Merck-Pereis der Darmstädter Tage der Fotografie wird auch in diesem Jahr wieder und damit zum dritten Mal vergeben. Das Pharma- und Chemieunternehmen sponsert die Auszeichnung mit einem Preisgeld von 5000 Euro. Von den 40 Exponaten wurden drei für den Preis nominiert. Es handelt sich um die Arbeiten Villa Tugendhat von Dirk Brömmel aus Wiesbaden, Orthodox eros der Tel-Aviver Künstlerin Lea Golda Holterman und Southland von Alia Malley aus Los Angeles. Wer den Preis erhält, entscheidet die sechsköpfige Jury am 23. April, dem Eröffnungstag.
Brömmel hat versucht, in einer Serie das Privatleben der jüdischen Familie Tugendhat zu rekonstruieren, für die Mies van der Rohe einst die Villa Tugendhat errichtet hatte. In einem elektronischen Verfahren hat der Künstler in Aufnahmen der Villa alte Fotos aus Alben der Familie, die 1938 aus Deutschland emigrierte, eingefügt. Holterman beschäftigt sich fotografisch mit dem gesellschaftlichen Image orthodoxer jüdischer Männer unter dem Aspekt Sinnlichkeit und Eros. Ihre Porträts stellen eine Mischung aus Dokumentation und inszenierter Fotografie dar. Malley untersucht in ihrer Serie Orte, die in jüngster Zeit verlassen wurden, und dokumentiert durch ihre Aufnahmen Landschaften, die ihre Identität verloren haben.
Merck hat im Vorfeld des Fotofestivals entschieden, sein Sponsoring bis 2013 fortzusetzen.