
Im siebten Jahr der Darmstädter Tage der Fotografie wird unter den Ausstellern des Rahmenprogrammes zum vierten Mal der Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie vergeben.
Aus 320 Einsendungen hat die Jury für das Rahmenprogramm der nächsten Darmstädter Tage der Fotografie im kommenden April 36 Arbeiten ausgewählt. Das Thema Bildspuren – Unruhige Gegenwarten wurde in großer Vielfalt bearbeitet und ermöglicht eine spannende Erweiterung der Positionen im Hauptprogramm. Die Jury bestand aus den Initiatoren und Vorsitzenden der Darmstädter Tage der Fotografie, Alexandra Lechner, Albrecht Haag, Gregor Schuster und Rüdiger Dunker sowie der Kuratorin Ute Noll von on-photography.com und Prof. Dr. Kris Scholz von der h_da.
Aus der Auswahl für das Rahmenprogramm sind drei Arbeiten für den mit 5.000 Euro dotierten Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie nominiert. Dieser wird von dem Darmstädter Pharma- und Chemieunternehmen Merck gestiftet und in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben.
Erst am Eröffnungstag – nach Berurteilung der gehängten Arbeit – wird einer der drei Nominierten als Preisträger ermittelt und am Abend geehrt. Die Preisverleihung findet am 20. April 2012 im Museum Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe statt.
Die Nominierten für den 4. Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie 2012 sind:
Die Jury entschied im Dezember 2011 in zwei Sitzungen über die Auswahl.
Walter Ebenhofer stellt Überlegungen zur Differenz von Ereignis und fotografischem Abbild und damit zur Problematik von ›Wirklichkeit‹ in der Fotografie an. Eine Spur ist in doppelter Weise durch Abbildung und physische Verletzung hinterlassen. Es werden zum Beispiel auf eine (meist) neue und gut verschlossene Großdiapackung von einem professionellen Schützen oder einer Schützin mehrere Schüsse abgefeuert. Das verletzte Material wird durch die Einschussöffnungen belichtet. Die Dauer der Belichtung ist von Walter Ebenhofer frei gewählt bis zum Zeitpunkt der Entwicklung im Labor. Das eindringende Licht wird akkumuliert und auf den fotosensiblen Schichten gespeichert.

Nathalie Grenzhäuser setzt in ihren Arbeiten einen Schwerpunkt in der Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung von Landschaftsräumen. Sie fotografiert Landschaften, die sich in einer Situation des Übergangs und der anthropogenen Veränderung befinden. Meist sind es entlegene, wüstenhafte Gegenden, die sie aufgrund ihrer besonderen Topografie und Geschichte interessieren. Die Serie Die Konstruktion der stillen Welt zeigt Ansichten des Inselarchipels Spitzbergen an der Schnittstelle zwischen Bergbau, Forschung und Klimawandel. Die Serie thematisiert die Bedrohung, die sowohl vom arktischen Naturraum selbst, als auch von dessen industrieller und wissenschaftlicher Nutzung ausgeht.

Florian Schunck setzt in seiner Arbeit bei den erkenntnistheoretischen Überlegungen Platons an. Es entstand eine Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit, die er in Anlehnung an das Höhlengleichnis des Philosophen mit einer Projektion veranschaulicht. Der scheinbar wahllos aus Müll und Alltagsgegenständen zusammengesetzten Plastik werden die klaren Konturen einer christlichen Heiligenfigur entgegen gesetzt. Davon ausgehend, dass es sich bei ›Heiligen‹ um Menschen handelt, die von den anderen Menschen zu Ikonen gemacht werden, sind sie einerseits Projektion und dienen andererseits wiederum als Projektionsfläche. Der Schatten, der sowohl inhaltlich als auch formell nicht zum Objekt passt, soll den Betrachter anregen, seine eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit zu hinterfragen.
