Merck-Preis
Preisträger, Juryentscheidung und Nominierungen 2010

Foto Alia Malley Foto Alia Malley

Die Gewinnerin des Merck-Preises der Darmstädter Tage der Fotografie 2010 ist Alia Malley mit der Arbeit ›Southland‹

Für den Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie 2010 wurden nominiert: Dirk Brömmel aus Wiesbaden für die Arbeit Villa Tugendhat, Lea Golda Holterman aus Tel-Aviv für Orthodox eros und Alia Malley aus Los Angeles für die Arbeit Southland. Gefordert war eine eigenständige Bildsprache bei der Umsetzung des Jahresthemas Jetzt – Die erzählte Zeit. Alle drei Arbeiten erzählen unterschiedliche Geschichten von der Zeit. Sie beschreiben vergangene Lebensschicksale, schildern langsame Verwandlungsprozesse durch die Natur, und untersuchen Jahrtausende alte Traditionen.

Begründung der Jury: Alia Malley – Southland

Scheinbare Unorte, die überall sein könnten, regen zum Nachdenken über den Umgang des Menschen mit der Natur an. Die Spuren der Zeit in diesen Bildern verweisen sowohl in die Vergangenheit einer zivilisatorischen Nutzung als auch in eine ungewisse Zukunft.

Die Bilder erschliessen sich nicht sofort, sondern laden zu einem zweiten Blick ein, der nicht enttäuscht wird. Alia Malley versteht es mit einer hohen künstlerischen Meisterschaft in Farbe und Komposition eine romantische Stimmung zu erzeugen, die gebrochen wird durch die Eigenheit der jeweils abgebildeten Orte.

Sie schafft es, das Niveau des Einzelbildes in der gesamten Serie durchzuhalten. Dadurch wirkt diese in sich stimmig und konsequent bis hin zur Umsetzung an der Wand.

Die Jury bestehend aus Ute Noll, Prof. Dr. Kris Scholz und dem Vorstand der Darmstädter Tage der Fotografie e.V. Albrecht Haag, Alexandra Lechner, Gregor Schuster und Rüdiger Dunker gab die Entscheidung während der Preisverleihung am 23. April 2010 bekannt.

Nominiert für den Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie 2010 waren:

  • Dirk Brömmel, Wiesbaden (D) – »Villa Tugendhat«
  • Lea Golda Holterman, Tel-Aviv (IL) – »Orthodox eros«
  • Alia Malley, Los Angeles (USA) – »Southland«

Dirk Brömmel, 41, versucht in seiner Serie aus ›Sandwichmontagen‹ das vergangene Privatleben der jüdischen Familie Tugendhat zu rekonstruieren. Der berühmte Architekt Mies van der Rohe errichtete für diese bedeutenden Textilfabrikanten in Brünn/Tschechische Republik die Villa Tugendhat. Ein Jahrzehnt später emigrierte die Familie 1938 aufgrund des Nationalsozialismus in Deutschland. Mit Hilfe eines elektronischen Verfahrens fügt Brömmel eigens gefertigte Aufnahmen der Villa aus jüngster Vergangenheit mit alten Fotos aus Alben der Familie Tugendhat zusammen. Er schafft damit Bilder von ergreifender emotionaler Authentizität.

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Lea Golda Holtermann, 33, beschäftigt sich in ihrer Arbeit fotografisch mit dem gesellschaftlichen Image orthodoxer, jüdischer Männer im Hinblick auf Sinnlichkeit und Eros. Die Porträts provozieren mit verführerischen Darstellungen, welche durch eine Mischung aus Dokumentation und inszenierter Fotografie resultieren. Durch den Einsatz bestimmter bildnerischer Stilmittel und symbolischer Attribute spannt die Fotografin inhaltlich und visuell einen weiten Bogen, der von der Kunstgeschichte über die Theorie der modernen Fotografie bis hin zu traditioneller jüdischer Philosophie viele interessante Ansätze bietet.

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Alia Malley, 36, untersucht in ihrer Serie urbane Orte, welche in jüngerer Vergangenheit verlassen wurden. Die Photographien dokumentieren brach liegende Landschaften, welche durch eine temporäre Zweckentfremdung ihre geografische Identität verloren haben. Durch diesen Übergangszustand, in welchem sie scheinbar ›schweben‹ erscheinen sie als Relikte vergangener Zeit mit rätselhaftem Charakter. Das anmutige und faszinierende Wesen der wilden Natur wird sichtbar. Durch die inhaltliche Inszenierung im Stil historischer und traditioneller Landschaftsmalerei und den bildnerischen Einsatz modernster Fotografietechnik verleiht die Fotografin ihrer Arbeit einen spannungsvollen Charakter, durch welchen sich die Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft scheinbar auflöst.

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