Rebekka Kraft

<   >

Rebekka Kraft

Kindheit

Bilder kommen aus dem Dunkeln. Dort überdauern sie, bis das Licht sie trifft, an der Oberfläche.

Als Kind wusste ich, dass man Wahrheit spüren kann und dass alles möglich ist. Es gab Momente, die ich nicht vergessen wollte. Erwachsene sagten, dass sie sich an ihre Kindheit kaum erinnern.

Ich überlegte deshalb, wie ich einen Moment sicher und für immer aufbewahren könnte und ballte eine Faust. Da dachte ich den Moment hinein.

Ich lernte also, Bilder zu machen. Irgendwann fand ich Kinderbilder von mir: ein fremdes Kind, ein Kind mit meinem Leben. Ich suchte nach seiner Stimme. Ich ging dorthin, wo ich das Kind zuletzt gesehen hatte …

Der Entstehungsort alter und neuer Bilder wird zum Rahmen für ein Selbstgespräch. Ein Zusammenhang existiert zwischen der Erinnerung und dem eigenem Weg. Wachstum an Erfahrungen hinterlässt sichtbare und unsichtbare Spuren – Spuren, die sich im Bild niederschlagen, weil sie durch den Blick geweckt sind.

Die Herausforderung des Abschieds veranlasst uns dazu, Bilder zu machen. Fotografien konservieren zwar nur das Licht der Vergangenheit, es ist aber das Licht, in dem wir gesehen haben. Damals und Jetzt existieren zugleich durch das fotografische Bild. Nur wenn die Kindheit zum Bild wird, ist Entwicklung möglich.